Alles andere als „unnedig“

itek
Magdalena Wallis
Community Managerin
10. September 2021
Kleinbetriebe, die sich für den Klimaschutz engagieren – geht das? Dass das möglich und sinnvoll ist, aber auch welche Hürden es gibt, zeigen die Beispiele des Verkehrszeichenherstellers ITEK und der Spenglerei Koch | Dach & Terrasse.

Fridays for Future gab den Ausschlag, es wirklich anders zu machen. Denn wie sagt Greta Thunberg: Du bist nie zu klein, um etwas zu bewirken. Das gilt auch für ihr Kärntner Unternehmen ITEK mit seinen 15 Mitarbeiter*innen, dachte sich Elke Kaltenhauser. Seit 2009 hatten Kaltenhauser und ihr Mann im gemeinsamen Betrieb Klimaschutzmaßnahmen gesetzt. 2019 gingen sie das Thema auf allen Ebenen an. Heute ist der zertifizierte Verkehrszeichenhersteller zu 95 % energieautark, hat ein ökologisches Verkehrszeichen entwickelt und seine Belegschaft um rund 60.000 Bienen erweitert.

In einer Session der Climate Ranger Academy erzählen Kaltenhauser von ITEK und Maximilian Koch von Koch | Dach & Terrasse, wie auch sie als kleine Unternehmen große Schritte im Bereich Klimaschutz setzen.

Klimaschutz am Bau? „Des is alles unnedig“

Elke Kaltenhauser sagt von sich selbst, dass sie eine motivierende Art hat – und damit hat sie zweifellos Recht. Ohne die wäre sie wohl auch nicht so weit gekommen. Denn ihre Kund*innen sind Behörden. Und die tun sich mit Veränderung bekanntermaßen schwer. Da hilft der Griff in die Trickkiste. Bei ITEK sieht das etwa so aus: Kund*innen, die E-Rechnungen akzeptieren, bekommen einen E-Bonus und erhalten 42 Cent gutgeschrieben. Das tut dem Unternehmen nicht weh und spart den Weg zur Post. Heute stellt ITEK 70 % der Rechnungen elektronisch aus.

Vor ähnlichen Herausforderungen stand das Unternehmen Koch | Dach & Terrasse. Nicht die Kund*innen waren es hier, die man von den Vorteilen der Klimaschutzmaßnahmen überzeugen musste. Familie Koch führt eine Bauspenglerei im Wiener Gemeindebezirk Ottakring. Der Großteil der um die dreißig Mitarbeiter*innen arbeitet am Bau. Klimaschutzmaßnahmen sind in der Baubranche nicht an der Tagesordnung: „Des is alles unnedig“, bekamen Inhaber Peter Koch und sein Sohn Maximilian zu hören. Die größte Herausforderung für das Vater-Sohn-Team war es, Vorurteile zu beseitigen und das Mindset der Mitarbeiter*innen zu verändern.

Die Guten bleiben

Dazu kam, dass die Beiden mit ihrem Engagement sehr früh dran waren. Schon vor zehn Jahren starteten sie mit ihrem „Projekt Change“. Eine Veränderung, die auch für die Stadt Wien neu war. Die zuständige Behörde hatte noch nicht viel Erfahrung mit der Anmeldung von Elektroautos. 2012 aber war der gesamte Fuhrpark elektrifiziert und mitten in Wien Ottakring ein Solar- und Gründach umgesetzt. Zu einer Zeit, als die Großen in Österreich noch überlegten, was zu tun sei, war die Spenglerei Koch ein großes Stück weiter. Das Unternehmen galt als Vorzeigebetrieb im Bereich Klimaschutz.

Und was tun mit Mitarbeiter*innen, die sich partout nicht auf die Veränderung einlassen? Maximilian Koch sagt: „Dann passt es einfach nicht. Die Basis ist, dass sich alle im Unternehmen damit identifizieren können.“ Koch wie Kaltenhauser verloren durch ihr Engagement Mitarbeiter*innen. Wichtig aber ist ihnen, dass sich ihre Begeisterung auf das restliche Team übertrug. Die, die ihnen erhalten geblieben sind, identifizieren sich umso mehr mit dem Unternehmen.

Veränderung braucht Zeit

Veränderung bedeutet, alles in Frage zu stellen und sich von liebgewonnenen Gewohnheiten zu trennen. Als die Spenglerei Koch die ersten Elektroautos in Betrieb nahm, bemängelten Mitarbeiter*innen, die Autos wären zu klein und hätten eine zu geringe Reichweite. Tatsächlich legte die Veränderung aber Schwächen in der Organisation frei: Material und Werkzeug konnten besser organisiert und die Arbeitsrouten effizienter geplant werden.

Immer wieder stößt man im Change-Prozess auf Bereiche, die sich optimieren lassen. Denn Veränderung passiert nicht von hier auf gleich. Auch das Team von ITEK hat bereits viel umgesetzt. Da sind die großen Projekte, wie eine Photovoltaikanlage samt Batteriespeicher von über hundert Quadratmetern Fläche, eine Elektroflotte oder die EMAS-Zertifizierung – die höchste Umweltauszeichnung. Nur 263 Unternehmen in Österreich haben sie derzeit. Und da gibt es kleinere Projekte, wie den Ausbau der Digitalisierung hin zum papierlosen Büro, einen rein digitalen Produkt-Katalog, Bio-Produkte und Getränke in Glasflaschen und die Anschaffung von sechs Bienenstöcken. Irgendwann will Kaltenhauser den Honig aus eigenem Anbau als Weihnachtsgeschenk an Kund*innen verschenken.

Klimaschutz muss nicht überfordern

Doch Veränderung ist nie abgeschlossen. Kaltenhauser hat mit ITEK daher noch viel vor. Das Unternehmen will mehr Druck auf sein Umfeld machen. Künftig sollen Kund*innen den PCF-Wert (Product Carbon Footprint) von Produkten direkt auf dem Verkaufsbeleg ablesen können. Damit lässt sich etwa die CO2-Bilanz eines Alu-Schildes direkt mit der von ITEK entwickelten ökologischen Alternative vergleichen. Das soll mehr Bewusstsein schaffen. Und auch von Lieferant*innen will ITEK CO2-Werte einfordern. Schon jetzt arbeitet das Unternehmen wenn möglich mit solchen zusammen, die eine Umweltschutz-Zertifizierung haben.

Doch viele Unternehmen sind beim Thema Klimaschutz immer noch überfordert. Für sie haben wir Glacier gegründet. Wir wollen es gerade kleineren Unternehmen möglichst einfach machen, klimaneutral zu werden und die Transformation in Richtung Nachhaltigkeit zu schaffen. Auf unserer digitalen Plattform CARMA (Carbon Manager) können Unternehmen jeder Größe mit wenigen Klicks ihren Klima-Fußabdruck berechnen und maßgeschneiderte Reduktionsmaßnahmen auswählen. Unternehmen und ihre Mitarbeiter*innen können sich im Rahmen der Climate Ranger Academy aber auch mit Unternehmen wie ITEK oder Koch | Dach & Terrasse austauschen und von ihnen und vielen anderen Expert*innen lernen.

Lohnt sich das überhaupt?

Veränderung bringt viel Arbeit mit sich, die Investitionen sind hoch. Lohnt sich das alles überhaupt? Immer wieder sind Kaltenhauser und Koch mit dieser Frage konfrontiert. Beide beantworten sie klar mit Ja. Für das Familienunternehmen Koch, das als Spenglerei einen großen Mitbewerb hat, ist sein Klimaschutz-Engagement ein Alleinstellungsmerkmal. Die Instandhaltungskosten des Fuhrparks wurden durch die Umstellung auf Elektroautos minimiert. Zwar schnellten die Stromkosten in die Höhe, doch die unternehmenseigene Photovoltaikanlage fängt das ab. Immer wieder profitiert man auch von Umweltförderungen. Und ITEK hat bei seinem selbstentwickelten ökologischen Verkehrszeichen „Ecoguide“ einen deutlich höheren Deckungsbeitrag als bei handelsüblichen Alu-Schildern.

Trotzdem: Nicht jede Maßnahme rechnet sich. Das nehmen Kaltenhauser und Koch in Kauf. Für beide ist Klimaschutz eine Herzensangelegenheit. Für sie als Unternehmer*innen muss am Ende etwas Positives übrig bleiben. Um den maximalen Gewinn geht es ihnen aber nicht. Kaltenhauser sagt: „Ich möchte auf unser Unternehmen stolz sein, mit ihm etwas bewegen und es zukunftsweisend an die nächste Generation übergeben.“

Veränderung fällt oft nicht leicht – wie kann man das ganze Team überzeugen? Hier kannst du nachlesen was Coach und watchado-Gründer Ali Mahlodji darüber Unternehmen rät, um beim Thema Klimaschutz alle Mitarbeiter*innen an Bord zu haben.

Möchtest du mit deinem Unternehmen Teil der Community werden? Schreib uns uns oder reserviere dir hier einen unverbindlichen Info-Termin.


Bild & Copyright:
Photo by ITEK / Ecoguide

Newsletter abbonieren

Glacier
Community News