„Paris hat versprochen, Glasgow muss liefern“

Camille Reynaud
Climate Intelligence
28. Oktober 2021

Diesen Sonntag beginnt in Glasgow die 26. Auflage der weltweit größten und wichtigsten Klimakonferenz, die COP26. Der Klimagipfel bringt mehr als 100 Staats- und Regierungschefs und über 20.000 Delegierte aus fast allen Ländern der Erde zusammen, um Maßnahmen gegen den Klimawandel zu beschleunigen. Die diesjährige Ausgabe ist besonders wichtig, da die Länder ihre Zusagen und Strategien zur Erreichung der Klimaziele aus dem Pariser Klimaabkommen vorlegen müssen. Was in Paris versprochen wurde, müssen die Länder nun liefern. Sonst läuft uns die Zeit davon…

Wir haben für euch eine kurze Zusammenfassung über all das vorbereitet, was ihr über den Klimagipfel wissen solltet, über den die nächsten 2 Wochen alle sprechen werden und sagen euch auch, warum er so wichtig ist und welche Bedeutung er für euer Unternehmen hat!

Was ist die COP?

COP steht für Conference of Parties. Auf Deutsch: Vertragsparteienkonferenz. Ja, richtig gehört. Jetzt versteht ihr auch, wieso alle den englischen Ausdruck verwenden und COP sagen. Auf Deutsch wird aber auch gerne von der „UN-Klimakonferenz“ gesprochen.

Die erste COP fand 1995 in Berlin statt, nachdem 195 Nationen das „Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über Klimaänderungen“ (UNFCC) mit dem Ziel unterzeichnet hatten, die Auswirkungen des Menschen auf den Klimawandel zu begrenzen. Es wurde beschlossen, dass die COP nun jedes Jahr als Entscheidungsgremium des UNFCC zusammentreten sollte. Seitdem haben 25 Ausgaben des Gipfels stattgefunden. Drei davon führten zu bekannten Vereinbarungen zwischen den verschiedenen Parteien:

  • Im Jahr 1997, auf der COP3 in Japan, wurde dasKyoto-Protokoll unterzeichnet, mit dem sich die Länder erstmals verpflichteten, ihre Treibhausgasemissionen zu reduzieren und individuelle Ziele festzulegen.
  • Im Jahr 2009, während der COP15 in Kopenhagen, wurde der Copenhagen Accord beschlossen. Hierbei einigte man sich in einem Minimalkonsens und nicht bindend auf das 2°C-Ziel.
  • Im Jahr 2015, auf der COP21, folgte dann das bekannte Pariser Klimaabkommen. Es ist das einzige der Abkommen, das Verpflichtungen zur Verringerung der Treibhausgasemissionen verbindlich macht und heute der zentrale völkerrechtliche Vertrag, wenn es um unsere Klimaziele geht. Deshalb steht es auch auf der COP26 in Glasgow im Zentrum.

Was besagt das Pariser Klimaabkommen?

Um die wichtigsten Punkte zu verstehen, müssen wir sechs Jahre zurückgehen, als in Paris die COP21 stattfand. Mit der Unterzeichnung des Übereinkommens verpflichteten sich 195 Länder erstmals, die Erderwärmung auf unter 2°C zu begrenzen, und die Bemühungen für eine Begrenzung auf unter 1,5°C zu intensivieren.

Um die Pariser Klimaziele zu erreichen, haben sich die Länder unter anderem dazu verpflichtet, die Menge der schädlicher Treibhausgasemissionen zu reduzieren, die Energiewende von fossilen Brennstoffen auf erneuerbare Energiequellen voranzutreiben und alle 5 Jahre ihren Plan zur Eindämmung des Klimawandels in Form der Nationally Determined Contributions (NDCs) vorzulegen.

Warum ist die COP26 in Glasgow so wichtig?

Nachdem die UN-Klimakonferenz in 2020 aufgrund der COVID Pandemie verschoben werden musste, ist die COP26 in Glasgow die erste UN-Klimakonferenz nach Ablauf der ersten 5-Jahres-Frist. Das heißt, dass die Entscheidungsträger*innen auf der COP26 nun zum ersten Mal zusammenkommen um eine Bestandsaufnahme der Nationalen Klimaschutzziele (NDC) zu machen.

In diesen Dokumenten werden die ehrgeizigen Reduktionsziele der Länder für 2030 sowie die zugesagte finanzielle Unterstützung von $ 100 Mrd. pro Jahr für die Länder, die am stärksten von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen sind, im Einzelnen dargelegt.

Der letzte Bericht des renommierten IPCC (Intergovernmental Panel for Climate Change) machte deutlich, dass eine Begrenzung des Temperaturanstiegs auf 1,5°C notwendig ist, um die Zahl der Menschen, die klimabedingten Risiken ausgesetzt sind, zu verringern, den Druck auf die Ernährungssicherheit und die menschliche Gesundheit zu reduzieren, kleine Inseln vor dem Anstieg des Meeresspiegels zu schützen, die ökologische und biologische Vielfalt zu erhalten und das Risiko einer irreversiblen Gletscherschmelze zu verringern.

Um dieses 1,5°C-Ziel zu erreichen, müssen die Emissionen bis 2030 halbiert und bis 2050 auf Null reduziert werden. Im letzten World Energy Outlook der Internationalen Energieagentur wird davor gewarnt, dass die derzeitigen Zusagen der Länder bei weitem nicht ausreichen, um die Ziele des Pariser Abkommens zu erreichen.

Die Ziele des Pariser Abkommens verstehen: Sind wir auf dem richtigen Weg, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen? Ein Bild von der Welt. Video auf Englisch, Abschrift auf Deutsch verfügbar.

Was passiert auf der COP26?

Von 31.10. bis 12.11. werden Staats- und Regierungschefs aus aller Welt, sowie Tausende von Unterhändler*innen, Wissenschafter*innen und Bürger*innen in zwei verschiedenen Zonen an unserer Klimazukunft arbeiten.

  • Zone 1: Die blaue Zone: Diese wird auch als Präsidentschaftszone bezeichnet. An ihr werden die Staats- und Regierungschefs teilnehmen. Die Entscheidungsträger*innen werden aufgefordert, ihre Versprechen für 2030 darzulegen und ihre Klimapläne zu erläutern. Jeder Tag wird einem bestimmten Thema (z.B. Energie, Finanzen, Natur) gewidmet sein. Das übergeordnete Ziel ist, die Maßnahmen zur Verringerung der Klimaauswirkungen in 5 verschiedenen Schwerpunktbereichen – Anpassung & Schäden, Natur, Energiewende, klimaneutrale Mobilität, und Finanzen – zu beschleunigen.

  • Zone 2: Die grüne Zone: Hier werden Unternehmen, Medien, Universitäten, Interessensgruppen und viele mehr,Veranstaltungen, Podiumsdiskussionen oder Workshops zum Thema Klimawandel und seinen Auswirkungen anbieten. In Glasgow werden innerhalb der 2 Wochen mehr als 200 Veranstaltungen stattfinden. Es ist eine hervorragende Gelegenheit, sich zu informieren und zu verstehen, was die Klimakrise bedeutet. Die meisten Veranstaltungen sind übrigens kostenlos und virtuell auf dem Youtube-Kanal der COP26 verfügbar. Sie können sich das Programm ansehen.

Wie kann die COP26 ein Erfolg werden?

Damit die diesjährige UN-Klimakonferenz in Glasgow als Erfolg gewertet werden kann, müssen einige Herausforderungen bewältigt werden:

1. Ehrgeizigere Klimaziele und konkrete Aktionspläne aller Staaten

Alle teilnehmenden Staaten müssen mutige Pläne schmieden. Im September kündigten die Staats- und Regierungschefs Australiens und Südafrikas jedoch bereits an, nicht nach Glasgow zu kommen. Und der weltweit größte Treibhausgasemittent China entwickelt, entgegen den jüngsten Zusagen von Präsident Xi Jinping, weiterhin umfangreiche Pläne zur Verbrennung von mehr Kohle, um seine Versorgungskrise zu bewältigen. Darüber hinaus sind die meisten Klimaziele der Staaten noch nicht ehrgeizig genug, und es fehlt an strengen Vorschriften und Aktionsplänen, um diese (zu wenig ehrgeizigen) Ziele zu erreichen. Ein zentraler Erfolgsfaktor der COP26 wird daher sein, dass die Vertragsparteien ihre Klimaziele nachschärfen und konkrete Aktionspläne zur Erreichung dieser Ziele auf den Weg bringen und sich auf Regeln zur Berichterstattung und Transparenz einigen, um diese Pläne und Maßnahmen zu bewerten.

2. Intensivere Zusammenarbeit von öffentlichem und privatem Sektor

Unternehmen müssen im Klimaschutz eine Schlüsselrolle einnehmen, indem sie ihre Klima-Transparenz erhöhen, Klima-Risiken in ihre Finanzberichte integrieren, Klima-Strategien auf den Weg bringen und ihr Verständnis für den Klimanotstand verbessern. Zudem wird es eine intensive Zusammenarbeit von öffentichem und privatem Sektor geben müssen um die in Artikel 6 des Pariser Klimaabkommens dargelegten Regeln für CO2-Bepreisung und den CO2-Handel umzusetzen. Aktivist*innen betonen auch die Notwendigkeit, mehr zu tun, als lediglich einen Rahmen für die Treibhausgasreduktion festzulegen. Sie fordern rasche und ehrgeizige Maßnahmen zu ergreifen, um eine Halbierung der Emissionen bis 2030 zu erreichen. Während des Youth for Climate Summit, der Ende September in Mailand stattfand, prangerte Greta Thunberg die Klimaplattitüden an, die während der COPs zu hören sind. Sie nannte es demonstrativ „Blah, blah, blah“ und sprach damit aus was sich viele Aktivist*innen und Bürger*innen denken, die von Entscheidungsträger*innen aus Politik und Privatwirtschaft entschiedenere Maßnahmen fordern.

3. Dekarbonisierung für Entwicklungs- und Schwellenländern ermöglichen

Von den $ 100 Mrd. pro Jahr, die die Industrieländer versprochen haben, wurden laut OECD nur $ 78,5 Mrd. überwiesen, und nur 21% wurden für die Anpassung an den Klimawandel ausgegeben. Industrieländer sollten sich daher verpflichten, ihre Partnerländer nicht nur finanziell zu unterstützen, sondern auch konkrete Pläne definieren und Technologien zur Dekarbonisierung, sowie eine Verbesserung des Zugangs zu Energie bereitzustellen.

Global Youth Strike for Climate
Photo by Callum Shaw on Unsplash

Wie betrifft das euer Unternehmen?

Die COP26 wird unweigerlich auch Auswirkungen auf Unternehmen haben, denn um die Klimaziele zu erreichen wird es eine intensive Zusammenarbeit von Politik und Privatwirtschaft brauchen. Unternehmen können vor allem folgende Dinge tun, um mutig in die Klimazukunft zu gehen und damit nicht nur das Überleben des Planeten, sondern auch ihr eigenes sichern:

  • Emissionen messen, berichten und reduzieren: Die COP26 wird höchstwahrscheinlich zu neuen Regularien und Gesetzen führen und damit eine größere Anzahl von Unternehmen dazu verpflichten, Nachhaltigkeitsdaten zu veröffentlichen. Derzeit betreffen solche Verpflichtungen nur große Unternehme, aber es gibt bereits konkrete Bestrebungen diese Regelung auf alle Unternehmen auszuweiten. Unternehmen sollten sich also auf diese neuen Vorschriften vorbereiten, indem sie ihren CO2-Fußabdruck ermitteln, um ihn dann nicht nur zu berichten, sondern auch zielgerichtet reduzieren zu können.
  • Das Geschäftsmodell ökologisieren: Umweltschädliche Geschäftsmodelle werden zunehmend vom Markt verschwinden, da Kapitalgeber immer stärker auf nachhaltige Unternehmen setzen. Aber für Umweltverschmutzer wird nicht nur weniger Kapital zur Verfügung stehen, sondern es wird auch zu höheren Kosten kommen. Denn das Emittieren von Treibhausgasen wird in Zukunft (höher) beipreist werden. Und spätestens wenn diese CO2 Steuer ihre volle Wirksamkeit erreicht, wird eine Ökologisierung des Geschäftsmodells unabdingar sein.
  • Die Chance nutzen: Der Klimawandel ist aber nicht nur ein Risiko für Unternehmen, sondern auch eine riesige Chance für die Unternehmen, die es schaffen, den immer höheren Nachhaltigkeits-Erwartungen von Kund*innen, Investor*innen und Mitarbeiter*innen gerecht zu werden. Auf diese Unternehmen warten neue und größere Märkte, Umsatzpotentiale und Wachstumspfade.

Was klar ist: Wir haben keine Zeit mehr zu verlieren und müssen entschieden handeln um die Klimaziele zu erreichen. Die COP26 wird neue Gesetze nach sich ziehen um das doch noch möglich zu machen. Diese werden alle Unternehmen betreffen und daher ist es notwendig, dass alle Unternehmen in allen Bereichen „klimafit“ werden.

Wenn auch dein Unternehmen seinen Beitrag leisten und klimafit werden will, dann melde dich bei uns!


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