CO₂-Profil: Worauf es ankommt

Schneelandschaft Aufnahme
Magdalena Wallis
Community Managerin
13. Juli 2021
Bisher sind Treibhausgasbilanzen, auch CO2-Profil genannt, für die meisten Unternehmen freiwillig. Das könnte sich bald ändern. Grund genug, sich schon jetzt damit auseinanderzusetzen. Hanna Schreiber vom Umweltbundesamt erklärte in der Climate Ranger Academy, worauf es ankommt.

GHG-Protocol, GWP oder Klimaneutralität: Das Thema Treibhausgasbilanzierung ist ohne Frage komplex, in jedem Fall aber enorm wichtig. Denn schon 2022 könnte das bisher freiwillige „Carbon Reporting“ auch für nicht börsennotierte Unternehmen verpflichtend werden. Session 5 der Climate Ranger Academy widmete sich deshalb dem Thema CO2-Profil. Hanna Schreiber vom Umweltbundesamt, Expertin für Carbon Management und Ökobilanzierung, erklärt worauf es ankommt.

CO2 und andere Klimakiller

Und das beginnt schon bei den Begriffen „Treibhausgasprofil“ und „CO2-Profil.“ Auch wenn sie in der Praxis meist dasselbe meinen, besteht ein kleiner aber feiner Unterschied. Der Begriff Treibhausgas umfasst nicht allein CO2. Denn dieses ist „nur“ für ca. 74 % der Treibhausgasemissionen verantwortlich. Zu den übrigen 20 % gehören andere Treibhausgase, wie Lachgas oder Methan. Letzteres tritt bei der Produktion fossiler Brennstoffe aus, formt sich auf Mülldeponien und entweicht den Mägen heimischer Rinder. Dabei ist Methan ein absoluter Klimakiller. Es hat einen weit höheren GWP (Global Warming Potential) als das reine CO2 und sorgt damit schon in kleinen Mengen für einen hohen Treibhauseffekt.

Die Klimawirksamkeit kann demnach drastisch unterschätzt werden, schaut man nur auf die CO2-Emissionen. Genauso wichtig ist es laut Expertin, zwischen direkten und indirekten Emissionen zu unterscheiden und beide in der Bilanz zu berücksichtigen. Der Unterschied: Direkte Emissionen entstehen bei Verbrennungsprozessen. 1 Liter Benzin verbrennt zu 2,32 Kilogramm CO2. Indirekte Emissionen dagegen entstehen entlang der Wertschöpfungskette. Sie sind vor- bzw. nachgelagerte Emissionen. Silizium etwa ist ein wichtiger Rohstoff für Photovoltaik. Nutze ich eine Photovoltaikanlage, sind die Emissionen, die bei der Siliziumherstellung anfallen, indirekte Emissionen.

Nur die halbe Wahrheit

Beschließt ein Unternehmen, seine CO2-Emissionen abzubilden, stehen ihm unterschiedliche Methoden zur Verfügung. Die Bekannteste ist – neben der ISO-Norm – das „Greenhouse Gas Protocol“, kurz GHG-Protocol. Es ist ein international anerkannter Standard für die Erstellung von Treibhausgasbilanzen. Das GHG-Protocol unterteilt Emissionen in Scope 1, Scope 2 und Scope 3.

Scope 1 umfasst direkte Emissionen, etwa jene des eigenen Fuhrparks oder der eigenen Anlagen. In den Scope 2 fällt das, was an Energie dazugekauft wird, wie Wärme oder Strom. Scope 3 beinhaltet den Rest. Dazu zählen etwa das Abfallmanagement, Dienstreisen oder die vorgelagerten Prozesse bei der Bereitstellung von Energieträgern, wie die Extraktion von Erdöl.

Die Expertin rät, so viel von Scope-3-Emissionen in die Bilanz mitaufzunehmen wie möglich. Nur so ergibt sich ein vollständiges Bild. Ein Elektroauto, das von sich behauptet kein CO2 zu produzieren, verrät demnach nur die halbe Wahrheit. Das trifft nur zu, wenn man etwa die vorgelagerte Stromproduktion nicht mit bilanziert.

Tatsächlich geht es vielen Unternehmen in der Realität weniger darum, ihre Emissionen vollständig abzubilden. Sie wollen sich zuallererst nach außen als klimaneutral positionieren. Oft vermarkten Unternehmen einzelne Produkte als klimaneutral, ohne dieses Versprechen gesamthaft umzusetzen.

Klimaneutralität vs. Net Zero

Zugute kommt ihnen da, dass Klimaneutralität nicht klar definiert ist. Hanna Schreiber hofft, dass es noch im nächsten Jahr eine ISO-Norm zu Klimaneutralität geben wird, ohne die Unternehmen ihre Klimaneutralität erst gar nicht kommunizieren dürfen.

Für den Laien schwammig ist auch die Unterscheidung von Klimaneutralität und „Net Zero“ (auf deutsch „Netto-Null“). Genau genommen umfasst Klimaneutralität die Scope-1- und Scope-2-Emissionen. Net Zero dagegen berücksichtigt zusätzlich die Scope-3-Emissionen.

Doch egal ob Netto-Null oder klimaneutral – jede Klimareise beginnt mit der Erhebung des Status-quo. Das Unternehmen muss zuallererst wissen, wo es steht. Das gelingt mit Fußabdruckrechnern wie dem Carbon Manager (kurz: CARMA). Reserviere dir hier gleich einen Demo-Termin. Über eine fachlich fundierte, aber einfache und intuitive Datenabfrage können Unternehmen ihren Klima-Fußabdruck verstehen, reduzieren und verfolgen.

Mit dem Wissen um den eigenen CO2-Fußabdruck plant das Unternehmen schließlich seinen Reduktionspfad. In CARMA finden Unternehmen ein maßgeschneidertes Portfolio an Maßnahmen und innovativen Produkten von Drittanbietern. Damit unterstützt die Plattform sie dabei, ihre Emissionen soweit zu reduzieren, dass sie den unvermeidbaren Rest kompensieren können.

Welche Arten der Klimakompensation es gibt und worauf man bei der Wahl der Anbieter achten sollte, ist ein weiteres komplexes Thema, das wir demnächst in einem weiteren Blog-Artikel so super simpel wie möglich erklären werden. Um sofort darüber informiert zu werde, abonniere hier unseren Newsletter.


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Satellite imagery of the North Pole

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