Green Deal Europe – Chancen und Potenzial (Teil 2)

innsbruck
Judith Hermetter
CMO
01. September 2021
Wie im vorangegangenen Blogbeitrag „Green Deal Europe – Chancen und Potenzial“ gezeigt, ist der „Grüne Deal“ die neue Wachstumsstrategie für die EU. Er soll sie hin zu einer klimaneutralen, fairen und wohlhabenden Gesellschaft führen, mit einer modernen, ressourceneffizienten und wettbewerbsfähigen Wirtschaft. Es gibt im Green Deal 10 Schwerpunktprogramme, von denen CSR-Experte und Glacier Beirat Werner Kössler bereits zwei erklärt hat. Hier folgen nun die Einblicke in die Themen „Gebäude und Renovierung“, „Keine Umweltverschmutzung“, „Ökosysteme und Biodiversität“ und „Vom Hof auf den Tisch“.

Den Beitrag von Werner Kössler zu den ersten beiden Schwerpunktprogrammen des Green Deal – Ein „klimaneutrales“ Europa und Kreislaufwirtschaft für nachhaltige Produktionspolitik – findest du hier.

3. Gebäude und Renovierung

Der Gebäudesektor ist zentral wenn es darum geht, den fossilen Energiebedarf und die damit verbundenen Treibhausgasemissionen zu senken. Konkret liegt sein Beitrag bei ca. 30 %. Zusätzlich benötigt man viel Energie für die Herstellung und den Transport von Baumaterialien, wobei ebenfalls CO2 emittiert wird. Wir müssen die Energieeffizienz beim Bauen daher unbedingt steigern und neue Technologien und Materialien einsetzen. Bei der Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden bildet die Gebäudeeffizienz-Richtlinie (EPBD – Energy Performance of Buildings Directive) einen wesentlichen Eckpfeiler. Sie ist das wichtigste Rechtsinstrument der EU in diesem Bereich.

Die Richtlinie soll Maßnahmen zur Renovierung des Gebäudebestands in der EU beschleunigen um diesen bis 2050 zu dekarbonisieren bzw. ein hohes Maß an Energieeffizienz zu erreichen. Geplant ist etwa die Einführung von Renovierungspässen. Sie bilden einen Standard für grundlegende Erneuerungen im Zusammenhang mit Finanzierungen und geben Ziele für die Dekarbonisierung von Gebäuden vor. Aber auch die Aspekte der Ressourceneffizienz bzw. Grundsätze der Kreislaufwirtschaft.

Mit dem Carbon Manager (kurz: CARMA) von Glacier können Nutzer*innen den CO2-Fußabdruck, der aus der Benutzung von Gebäuden entsteht, rasch und ganz einfach errechnen. Auch Maßnahmen zur Reduktion bietet das Tool an. Die so erzielten Erfolge werden transparent dargestellt und motivieren, weiterzumachen. Hier kannst du CARMA kostenlos und unverbindlich testen.

Werner Koessler

Märkte, Unternehmen und deren Geschäftsmodelle werden sich grundlegend verändern, denn die Verwirklichung dieses Ziels erfordert einen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wandel in Europa.


Werner Kössler, CSR-Experte und Nachhaltigkeitsberater

4. Keine Umweltverschmutzung

Der „Grüne Deal“ soll nicht nur den Ausstoß von Treibhausgasen eliminieren. Er soll auch giftige Chemikalien soweit möglich aus dem Alltag verbannen. Es geht dabei vor allem um hormonverändernde Stoffe und krebsverdächtige Substanzen. Sie sollen mittelfristig aus Spielzeug, Kleidung, Lebensmitteln oder Kosmetik entfernt werden. Egal ob Luft, Böden oder Wasser: Ziel ist es, bis 2050 eine saubere Umwelt zu haben. Zu den geplanten Initiativen gehört beispielsweise eine Chemie-Strategie für eine giftfreie Umwelt.

Das ist nicht einfach umzusetzen, denn es gibt rund 100.000 Chemikalien, die je nach Konstellation schädlich sein können. Auf der anderen Seite ist der Anspruch, bewusst grün einzukaufen, einfacher denn je. Immer mehr neue, innovative Konzepte und Lösungen kommen auf den Markt. Da das Thema Nachhaltigkeit für Konsument*innen immer wichtiger wird, weil schöne Dinge eben noch schöner sind, wenn sie sozial und ökologisch hergestellt wurden, etablieren sich entsprechende Start-ups und Anbieter. Mit der ClimateTech Landscape wurde 2021 von Glacier und dem Green Tech Cluster erstmals ein Überblick geschaffen, welche klimafreundliche Start-ups es in Österreich gibt. Der Katalog der ClimateTech Landscape ist auf der Seite des Green Tech Clusters verfügbar.

5. Ökosysteme & Biodiversität

Mithilfe dieser Strategie sollen sich Europas Ökosystem und seine Biodiversität bis 2030 langsam erholen – zum Wohle der Menschen, des Klimas und des Planeten. Die EU wird auf den bestehenden Natura-2000-Gebieten aufbauen und dafür sorgen, dass Gebiete mit sehr hohem Biodiversitäts- und Klimawert streng geschützt werden. Durch eine Reihe von Verpflichtungen und Maßnahmen will die EU geschädigte Ökosysteme bis 2030 wiederherstellen und nachhaltig bewirtschaften.

Dabei will man auch die Hauptursachen des Verlusts biologischer Vielfalt angehen. Dazu gehören Maßnahmen zur Bekämpfung der Boden- und Wasserverschmutzung sowie eine neue Forststrategie. Auch neue Kennzeichnungsvorschriften soll es geben. Damit will die EU Produkte fördern, für deren Herstellung keine Abholzung oder Rodung erfolgt. Denn: Wir brauchen mehr Bäume in Europa, sowohl in den Städten als auch auf dem Land. Mit dem „Carbon Offsets Program“ von Glacier kannst du Projekte unterstützen, die sich genau dafür einsetzen, und deine nicht vermeidbaren CO2-Emissionen kompensieren. Außerdem will die EU im Rahmen ihrer Strategie Finanzmittel für die Biodiversität mobilisieren und einen neuen Governance-Rahmen aufbauen.

6. „Vom Hof auf den Tisch“

Schätzungen zufolge gehen in der Europäischen Union jährlich mehr als 950.000 Todesfälle auf ungesunde Ernährung zurück. Das sind etwa 20 %. Eine gesunde, pflanzliche Ernährung senkt das Risiko lebensbedrohlicher Krankheiten und verringert die Umweltauswirkungen unseres Lebensmittelsystems. Wie sich eine Umstellung deiner Ernährungsgewohnheiten auf den CO2-Fußabdruck auswirkt, kannst du einfach mit dem Fußabdruckrechner CARMA darstellen.

Die Europäische Kommission schätzt, dass pro Person und Jahr ca. 170 kg Lebensmittel weggeworfen werden. Das macht 88 Millionen Tonnen Abfall pro Jahr. In Österreich fallen laut einer aktuellen Studie des Ökologie-Instituts 760.000 Tonnen Lebensmittelabfälle pro Jahr an. Gut die Hälfte davon gilt als potenziell vermeidbar. Lebensmittelabfälle, die im Einzelhandel und auf Seiten der Verbraucher*innen anfallen, sollen daher bis 2030 drastisch reduziert werden.

Vom Hof auf den Tisch soll das europäische Lebensmittelsystem in verschiedenen Dimensionen nachhaltiger gestalten und seine Auswirkungen auf Drittländer verringern. Damit sollen europäische Lebensmittel zum weltweiten Standard für Nachhaltigkeit beitragen. Die Strategie steht im Einklang mit den Zielen der nachhaltigen Entwicklung der Vereinten Nationen, den SDGs (Sustainable Development Goals). Sie will weltweite Standards durch internationale Zusammenarbeit und Handelspolitik anheben.

Im nächsten Teil dieser Reihe stellt Werner Kössler mit den Schwerpunkte „Mobilität und Verkehr“, „Finanzen“, „Wissenschaft und Innovation“, sowie mit „Außenbeziehungen“ die weiteren Elemente des Grünen Deals vor. Um über die neuen Beiträge schnellstens informiert zu werden, melde dich ganz einfach hier in ein paar Klicks für unsere Newsletter an.


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