Nachhaltige Mobilität: Auf dem Weg in eine klimafitte Zukunft

Camille Reynaud
Climate Intelligence
25. November 2021

In unserer vernetzten Welt pendeln Menschen und Güter jeden Tag innerhalb von Städten, Ländern und Kontinenten. Mobilität ist ein fester Bestandteil unseres täglichen Lebens: Wir gehen zur Arbeit, wir gehen zur Schule, wir gehen einkaufen, wir reisen um die Welt, wir konsumieren Waren, die in unsere Stadt geliefert werden müssen. Doch dies hat seinen Preis für die Umwelt, denn der Verkehrssektor hat den drittgrößten Anteil an Treibhausgasemissionen.

Wir müssen die mit dem Verkehrssektor verbundenen Emissionen verringern! Aber wie machen wir das, wo doch die Mobilität so wichtig für unser tägliches Leben ist? Wir haben in diesem Blogpost zusammengefasst, was es braucht, um Mobilität klimaverträglich machen können.

Wie hoch ist der Anteil der Mobilität an den gesamten Treibhausgasemissionen?

In Österreich war der Verkehrssektor 2018 für fast die Hälfte der Treibhausgasemissionen verantwortlich. Das Erreichen der Klimaneutralität in Österreich ist deswegen in hohem Maße von der Dekarbonisierung des Verkehrssektors abhängig.

CO2-Emissionen in Österreich (Quelle: Unweltbundesamt 2021)

Wie schaffen wir den Übergang zu einer nachhaltigen Mobilität?

Um die Auswirkungen der Klimakrise abzumildern und bis 2050 eine Netto-Null -Marke zu erreichen, müssen die Länder ehrgeizige Ziele zur Reduzierung ihrer Treibhausgasemissionen festlegen. Die Verringerung der Emissionen des Verkehrssektors ist einer der Eckpfeiler dieser Ziele und Aktionspläne.

Wenn du mehr über das Thema der Netto-Null-Ziele erfahren möchtest, kannst du unsere Blogartikel über die COP26 und ihre Bedeutung hier und hier lesen.

Im Europäischen Green Deal, der Verpflichtung der Europäischen Union zur Klimaneutralität bis 2050, hat sich die EU verpflichtet, die CO2-Emissionen des Verkehrssektors um 90 % zu senken. In Österreich hat sich die Regierung verpflichtet, die Verkehrsemissionen bis 2030 um 35 % zu senken.

Fasst man die Empfehlung der Internationalen Energieagentur zur Senkung der Treibhausgasemissionen im Verkehrssektor zusammen (das EU-Factsheet zur Erreichung einer nachhaltigen Mobilität und zur Erfüllung der europäischen Green-Deal-Ziele sowie den österreichischen Mobilitäts-Masterplan für 2030), so ergeben sich drei wesentliche Handlungsfelder, die für einen nachhaltigen Mobilitätswandel notwendig sind:

1. Die Verringerung der Mobilität und der Verkehrsnachfrage:

Es scheint die einfachste Antwort zu sein, aber die nachhaltigste Mobilität ist die, die nicht stattfindet! Jeden Tag müssen wir Kilometer zurücklegen, um zur Arbeit oder zur Schule zu gehen oder um unseren Interessen außerhalb von Arbeit und Schule nachzugehen. Aber was wäre, wenn alles in unserer Nähe verfügbar wäre?

Daher besteht das erste Ziel darin, den Mobilitätsbedarf in unserem täglichen Leben zu verringern. Auf Landesebene bedeutet dies zum Beispiel

  • Verringerung der Pendelhäufigkeit durch Überdenken der Organisation der Arbeitsbereiche. Österreich hat sich verpflichtet, die täglich zurückgelegte Strecke bis 2030 um 4 % zu reduzieren,
  • Entwicklung des lokalen Tourismus,
  • Förderung der lokalen Produktion und des lokalen Handels mit kurzen Transportwegen.

2. Umstellung auf umweltfreundliche alternative Verkehrsmittel:

Natürlich müssen Menschen und Güter weiterhin transportiert werden. Um den Mobilitätsbedarf zu decken, ist jedoch ein Wechsel zu nachhaltigen Verkehrsträgern erforderlich. Die derzeitige Mobilität basiert nämlich immer noch in hohem Maße auf individuellen, mit fossilen Brennstoffen betriebenen Autos, die eine Menge Treibhausgase ausstoßen. In Österreich wurden im Jahr 2020 60 % der Personenmobilität mit dem motorisierten Individualverkehr abgedeckt.

Wusstest du, dass rund zwei Drittel aller Autofahrten kürzer als 10 km sind? Es ist notwendig, diese hohe Abhängigkeit vom Individualverkehr auf umweltfreundlichere Alternativen zu verlagern. Nur so erreichen wir das Ziel bis 2040 60% der Strecken mit Ökomobilität zurückzulegen.

Distanzen Verkehr in Österreich (Quelle: VCÖ)

Auf Landesebene bedeutet dies für die Mobilität der Reisenden zum Beispiel:

  • Verbesserung der Erreichbarkeit von Einrichtungen mit dem Fahrrad und zu Fuß
  • Entwicklung effizienter öffentlicher Nahverkehrsnetze
  • Entwicklung effizienter Schienennetze für kurze Strecken innerhalb des Landes, um das eigene Auto zu vermeiden, oder für längere Strecken innerhalb Europas, um das Flugzeug zu vermeiden.
  • Förderung von MaaS-Projekten (Mobility as a Service), die darauf abzielen, Verkehrsmittel dank Digitalisierungsprojekten besser zugänglich zu machen

Wenn du dich immer noch fragst, ob es wirklich einen Unterschied macht, das Fahrrad oder den Zug statt des Autos oder des Flugzeugs zu nehmen, versuche, die folgende Frage zu beantworten:

Weißt du, wie weit du in Österreich je nach Verkehrsmittel mit 1 kg CO2-Emissionen fahren kannst? Hier erfährst du es!

3. Ökologisierung des übrigen Verkehrs:

Der verbleibende Teil der Mobilität, der nicht vermieden oder auf eine umweltfreundliche Alternative umgestellt werden kann, muss energieeffizienter und weniger abhängig von fossilen Brennstoffen sein. Eine von Carbone 4 geleitete Studie zeigt, dass Elektrofahrzeuge in Europa während ihrer gesamten Lebensdauer im Durchschnitt nur halb so viel CO2 pro km ausstoßen wie Benzinfahrzeuge. Dennoch sind in Europa 2021 nur 6% der neu zugelassenen Fahrzeuge Elektrofahrzeuge, und dieser Anteil fällt in Österreich auf weniger als 3%!

Anteil Elektromobilität (Quelle: Our World in Data)

Einige Verkehrsmittel wie Flugzeuge oder Boote können in naher (und auch ferner) Zukunft nicht elektrifiziert werden. Daher sind Investitionen in die Forschung und Entwicklung alternativer Kraftstoffe (wie Wasserstoff, kohlenstoffneutraler Flugzeugtreibstoff usw.) zur Verringerung der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen von entscheidender Bedeutung.

Eine Kombination von Maßnahmen in diesen drei Bereichen ist notwendig, um die Mobilitäts- und Verkehrsumstellung zu erreichen, um die Emissionen des Verkehrssektors zu senken und Kohlenstoffneutralität zu erreichen.

Antriebstechnologien Personenverkehr (Quelle: Mobilitätsmasterplan 2030 – BMK Ministerium)

Welcher Rahmen ist notwendig, um diesen Übergang zur Mobilität zu erreichen?

Dieser Mobilitätswandel muss mit der Definition eines starken rechtlichen Rahmens einhergehen, zum Beispiel:

  • Festlegung einer Mindestenergieeffizienz für Fahrzeuge:

Dies bedeutet, dass die Treibhausgasemissionen der auf fossilen Brennstoffen basierenden Verkehrsträger reguliert und kontrolliert werden müssen. Diese Standards müssen mit den Zielen zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen in Einklang gebracht werden.

  • Den umweltfreundlichen Verkehr attraktiver machen:

Anreize für Menschen und Unternehmen, auf Elektromobilität umzusteigen, indem der Kauf von Fahrrädern und Elektrofahrzeugen finanziell unterstützt wird. Auch die Besteuerung der von fossilen Brennstoffen abhängigen Mobilität durch die Festlegung einer CO2-Steuer wird hier eine wichtige Rolle spielen. In Österreich hat die Regierung eine CO2-Steuer in Höhe von 30 € pro Tonne, d. h. etwa 8 Cent pro Liter Kraftstoff, angekündigt, die bis Juli 2022 eingeführt werden soll.

  • Entwicklung der Städte, um die Mobilitätsnachfrage zu begrenzen:

Auf der ganzen Welt haben viele Städte damit begonnen, Verkehrsregeln einzuführen und effizientere öffentliche Verkehrssysteme zu entwickeln. Die Internationale Energieagentur hat eine Karte mit den neuesten politischen Maßnahmen und Aktionen in diesem Bereich veröffentlicht:

Politische Maßnahmen und Regelungen für effizientere öffentliche Verkehrssysteme (Quelle: International Energy Agency)

Was bedeutet das alles für dein Unternehmen?

Du hast wahrscheinlich verstanden, dass die Mobilität ein wesentlicher Treiber für CO2-Emissionen ist und daher in Angriff genommen werden muss. Du hast wahrscheinlich auch verstanden, dass der Beitrag des Privatsektors zum Mobilitätswandel ebenfalls notwendig ist, um den Wandel zu erreichen.

Im Folgenden findest du eine Liste von Maßnahmen, die du in deinem Unternehmen umsetzen kannst, um die verkehrsbedingten Treibhausgasemissionen zu senken, den CO2-Fußabdruck zu verkleinern und für künftige rechtliche Rahmenbedingungen gerüstet zu sein.

1. Verringere die Notwendigkeit der Mitarbeiter*innenmobilität:
  • Ermögliche Home-Office: bevorzuge Videokonferenzen für Mitarbeiter*innen mit langen Anfahrtswegen. Nicht erst seit Corona haben Online-Meetings einen positiven Einfluss auf Unternehmen in Sachen Mobilität.
  • Bevorzuge virtuelle oder hybride Veranstaltungen: Wann immer es möglich ist, können hybride Version deiner Unternehmensveranstaltungen organisiert werden, die von den Mitarbeiter*innen in anderen Regionen oder Ländern aus der Ferne verfolgt werden können.

2. Ermutige zu Alternativen zur umweltfreundlichen Mobilität:

Der Umstieg auf umweltfreundliche Mobilität kann deinem Unternehmen helfen, erhebliche Mengen an Treibhausgasemissionen zu vermeiden!

  • Unterstütze Züge und öffentliche Verkehrsmittel: Finanziere Fahrkarten für öffentliche Verkehrsmittel für die Mitarbeiter*innen. Seit dem 26. Oktober ermöglicht das KlimaTicket in Österreich deinen Mitarbeiter*innen, ein Jahr lang alle öffentlichen Verkehrsmittel in einem bestimmten Gebiet zu nutzen: regional, überregional oder bundesweit. Das KlimaTicket für ganz Österreich kostet 1.095 € und der Arbeitgeber kann dem Arbeitnehmer das KlimaTicket steuerfrei zur Verfügung stellen.
  • Fördere die Nutzung von Fahrrädern: Du kannst deinen Mitarbeiter*innen Fahrräder oder sogar E-Bikes zur Verfügung stellen. Eine Alternative ist die Übernahme der Kosten für ein Abonnement bei einer Bike-Sharing-Plattform. Aber es geht vielleicht nicht nur um die Bereitstellung von Fahrrädern. Manchmal reicht schon die Einrichtung von Duschen auf dem Firmengelände aus, um die Mitarbeiter*innen zu ermutigen, mit dem Rad zur Arbeit zu fahren. Einige Marken wie Gleam oder CargoBikes bieten sogar Lastenfahrräder für Mitarbeiter*innen an!
  • Ermutige Initiativen zur Bildung von Fahrgemeinschaften: Je nach Standort eines Unternehmens sind öffentliche Verkehrsmittel nicht immer eine Option. In diesem Fall solltest du die Entwicklung von Carsharing-Initiativen unter den Mitarbeiter*innen fördern, um die negativen Umweltauswirkungen zu begrenzen. Wirf einen Blick auf unsere Auswahl an Carsharing-Lösungen in Österreich: Eloop, Caruso Carsharing, MO.Point oder flo MOBIL.
  • Fördere die Nutzung von umweltfreundlicher Mobilität: Du kannst ein Belohnungssystem entwickeln, um deine Mitarbeiter*innen dazu zu bewegen, saubere Mobilitätsalternativen zu bevorzugen. Es gibt bereits einige Lösungen, die dir dabei helfen, z. B. hat Ummadum ein Konzept entwickelt, um Mitarbeiter*innen zu belohnen, wenn sie nachhaltige Mobilität nutzen.
  • Begrenze die Anzahl der Flüge: Verpflichte dich, das Flugzeug nur dann zu benutzen, wenn es keine praktikable Zugverbindung zum Zielort gibt, und reise nur, wenn die Veranstaltung oder das Treffen nicht online durchgeführt werden kann.

3. Mache den verbleibenden Verkehr nachhaltig:
  • Stelle deine Firmenwagenflotte auf E-Mobilität um: Wenn ein Fahrzeug ersetzt werden muss und sein Einsatzzweck nicht mit dem Fahrrad oder der Bahn abgedeckt werden kann, fördere die Anschaffung einer elektrischen Alternative. In Österreich kann dein Unternehmen für jedes angeschaffte Elektrofahrzeug einen Zuschuss von bis zu 5.000 € erhalten. Außerdem unterliegen Elektroautos nicht der österreichischen NoVA und es fällt keine motorbezogene Versicherungssteuer an. Auch wenn ein Arbeitnehmer das Elektroauto des Arbeitgebers für private Zwecke nutzt, muss dafür keine Steuer gezahlt werden. Dem Arbeitgeber entstehen auch keine Lohnnebenkosten für den Sachbezug. Mehr über die österreichische Förderung von Elektrofahrzeugen erfahren Sie hier!
  • Installiere Ladestationen für deine Elektroflotte: Wer E-Autos nutzt, braucht Strom. Stelle Ladestationen am Firmenstandort zur Verfügung, um E-Mobilität überhaupt erst möglich zu machen. Informiere dich hier über die österreichischen Förderungen für Ladestationen!

Wenn du einen Beitrag zur Umstellung des Mobilitätssektors auf Netto-Null leisten willst, aber nicht weißt, wie du anfangen sollst, hilft dir Glacier gerne weiter. Setz dich hier mit uns in Verbindung oder kontaktiere uns unter hello@glacier.eco.

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