Kurseinblick: Kreislaufwirtschaft

Ressourcenschonend im Unternehmen durch Kreislaufwirtschaft

Kreislaufwirtschaft
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Julia Widmann

Content Marketing Managerin

Nachhaltiges Wirtschaften geht nicht ohne Kreislaufwirtschaft. Die sogenannten R-Strategien helfen Unternehmen, ihren Ressourcenverbrauch zu reduzieren und die Lebensdauer von Produkten zu erhöhen.

Der Ist- und Soll-Zustand des Ressourcenverbrauchs

Nur 8 % der Zeit sind Europas Autos im Schnitt auf den Straßen unterwegs. Meist stehen sie still. Wenig geschäftig geht es auch in den Büros zu. 60 % der Plätze bleiben während der Arbeitszeit leer. Und über 30 % unserer Nahrungsmittel landen im Müll. Diese Zahlen aus den verschiedensten Lebensbereichen zeigen exemplarisch, wie ineffizient unser Wirtschaftssystem ist – und wie umweltschädlich.

Denn die Linearwirtschaft – auch „Wegwerfwirtschaft“ genannt – entnimmt der Natur immer wieder aufs neue Ressourcen, verarbeitet sie zu Produkten und entsorgt sie nach kurzer Zeit wieder. Damit basiert unser Wirtschaftssystem auf einem gravierenden Irrtum. Es geht davon aus, dass Ressourcen unbegrenzt verfügbar sind und sich unsere Erde unendlich regenerieren kann. Das Ergebnis dieses Wirtschaftens: 70 % der Treibhausgasemissionen gehen auf die Gewinnung und Verarbeitung von Rohstoffen zurück. Ihr Abbau und ihre Verarbeitung sind auch zum größten Teil (90 %) für den Verlust der Biodiversität und die Wasserknappheit verantwortlich.

Die nachhaltige Alternative: die Kreislaufwirtschaft, auch Circular Economy genannt.

Mehr Wachstum mit weniger Ressourcen

Das Modell der Kreislaufwirtschaft zielt darauf ab Ressourcen effizient einzusetzen, Produkte länger zu nutzen und Produkte und Materialien am Ende ihrer Nutzungsdauer zu recyclen. Das hat auch wirtschaftliche Vorteile. Die Kreislaufwirtschaft hilft Unternehmen Ressourcen einzusparen, Abfälle zu reduzieren und profitabler zu werden. Sie verringert die Abhängigkeit von Lieferanten und schafft Arbeitsplätze. Allein in der Europäischen Union sollen in Bereichen wie Recycling oder Produktdesign bis 2030 bis zu 700 000 Jobs entstehen.

Doch wie funktioniert das Modell der Circular Economy?

Bei der Kreislaufwirtschaft geht es zuvorderst um eine minimale Entnahme von Rohstoffen aus der Natur, die biologisch abbaubar, wiederverwertbar oder erneuerbar sind. Produkte werden so konzipiert, dass sie lange genutzt, wiederverwendet oder recycelt werden können. Auch der Herstellungsprozess wird optimiert, um so ressourcen- und energieeffizient wie möglich zu sein. Beim Vertrieb liegt der Schwerpunkt auf dem Leasing oder der gemeinsamen Nutzung von Produkten. Was kaputt ist, wird repariert. Am Ende der Lebensdauer eines Produktes wird es gesammelt und recycelt, um den Kreislauf zu schließen. Nur ein kleiner Teil wird als Restmüll entsorgt.

Recycling

Von Recycle zu Repurpose: Der Fahrplan zur Kreislaufwirtschaft

Einen konkreten Fahrplan für die Umsetzung dieses Modells für Unternehmen und Privatpersonen liefern die sogenannten R-Strategien. Sie sind hierarchisch gegliedert. Kann die erste Strategie nicht umgesetzt werden, kommt die nächste zum Zug:

  • So sollen wir auf Produkte und Dienstleistungen verzichten, die unnötig sind („refuse“),
  • nach nachhaltigeren Alternativen suchen („rethink“)
  • und den eigenen Konsum reduzieren („reduce“).
  • Wir sollen Produkte öfter wiederverwenden („reuse“),
  • sie reparieren („repair“),
  • alte Produkte auf den neuesten Stand bringen („refurbish“),
  • mit Teilen von alten Produkten neue Produkte schaffen („remanufacture“),
  • alte Produkten einem neuen Zweck zuführen („repurpose“),
  • aus Abfällen neue Produkte herstellen („recycle“)
  • oder zuletzt Energie aus Abfällen gewinnen, die nicht recycelt oder wiederverwendet werden können („recover“).

In jedem Bereich gibt es Möglichkeiten, diese Strategien der Kreislaufwirtschaft umzusetzen. Elektrogeräte etwa werden schnell entsorgt, wenn sie nicht mehr funktionieren. Zu aufwendig ist die Reparatur, neue Produkte sind schnell und billig zu haben. Sind Geräte allerdings so konzipiert, dass sie einfach und günstig repariert werden können („repair“), bleiben sie länger in Gebrauch. Und auch in der Kunststoffindustrie gibt es viel Luft nach oben. Bis 2050 könnte es mehr Plastik als Fische in unseren Ozeanen geben. Wenn wir Einweg- und Mikroplastik vermeiden („refuse“), schützen wir unsere Ozeane.

Kurseinblick Kreislaufwirtschaft

Jetzt bist du dran!

Durch ein Umdenken in unseren Konsumgewohnheiten und eine intensivere Nutzung von Produkten können wir also eine nachhaltigere Zukunft schaffen. Das gilt für Unternehmen genauso wie für Privatpersonen.

Jetzt bist du dran: Denk an deine letzten drei Einkäufe zurück und wirf einen Blick auf die R-Strategien, beginnend bei „refuse“:

  • Hättest du auf den Kauf verzichten können?
  • Hätte es nachhaltigere Alternativen, etwa in Form von Second Hand oder Sharing-Angeboten gegeben?

Mach dir diesen kurzen Check zur Gewohnheit und berücksichtige die R-Strategien, wenn du das nächste Mal einkaufst.

Egal ob im Großen oder Kleinen, das Modell der Kreislaufwirtschaft kann überall zu nachhaltigeren Lösungen führen. Sprich mit deinen Kolleg*innen beim Mittagessen oder in der Kaffeepause über das Modell und überlegt euch drei Möglichkeiten, um mehr Zirkularität in euer Unternehmen zu bringen.

Für den Übergang zur Kreislaufwirtschaft braucht es uns alle.

Erfahre mehr über die Möglichkeiten der Circular Economy und wie auch du einen Beitrag leisten kannst in unserem Klimaschutz-Weiterbildungsprogramm!

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